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Bilanzveranstaltung: „Auch in Zukunft mit UNS! Sich begegnen ‒ Voneinander lernen ‒ Zukunft gemeinsam gestalten“, 16.06.2016

In Sachen Jugendbeteiligung ist in Baden-Württemberg vieles in Bewegung: Durch die Änderung der Gemeindeordnung (§41a GemO) und des Schulgesetzes sowie die Absenkung des Wahlalters bei Kommunalwahlen auf 16 Jahre haben die Jugendlichen mehr Mitsprachemöglichkeiten bei der Gestaltung ihres Lebensumfeldes. Mitbegleitet und angeregt wurde dieser Prozess durch das Projekt „In Zukunft mit UNS!“, das nun nach drei Jahren Laufzeit abgeschlossen wurde.

Das Programm wurde musikalisch umrahmt von der Big Band des Wagenburg-Gymnasiums und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums
Das Programm wurde musikalisch umrahmt von der Big Band des Wagenburg-Gymnasiums und des Geschwister-Scholl-Gymnasiums / © Baden-Württemberg Stiftung, Peter D. Hartung

Dies haben wir zum Anlass genommen, gemeinsam mit Akteuren und Aktiven der Jugendbeteiligung in der Veranstaltung „Auch in Zukunft mit UNS!“ am 16.06.2016 im Stuttgarter Hospitalhof eine Bilanz zu ziehen und den Blick auf die Zukunft der Jugendbeteiligung und ihre Erfolgsfaktoren zu richten.

Die Veranstaltung bot ca. 70 Jugendlichen und Akteuren aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft die Gelegenheit zum Ideen- und Erfahrungsaustausch. Doch nicht nur das: Gemeinsam wollten wir uns darauf verständigen, wie die Aktivitäten und Kräfte zum Thema Jugendbeteiligung zukünftig gebündelt und koordiniert werden können. 

Diesem Ziel näherten sich die Teilnehmenden in drei Etappen: 

Die Veranstaltung wurde eröffnet mit einem Podiumsgespräch zum Thema „Jugendbeteiligung im Wandel – Auswirkungen, Chancen, Praxiserfahrungen“.

In Workshops wurden zum einen die zentralen Projekterfahrungen mit den Beteiligungsorten Schule, Politik, Jugendgruppe und Kommune aufgegriffen und zum anderen Visionen, Ziele und Voraussetzungen einer gelingenden Jugendbeteiligung entwickelt. 

In der Abschlussdiskussion galt es, diese Ideen mit Praktikern aus dem Feld zu diskutieren und sich auf konkrete Botschaften und nächste Schritte zu einigen.

Die Bilanzveranstaltung wurde moderiert von Johanna Lohrer, ehemalige Vorsitzende des Landesschülerbeirats Baden-Württemberg, und Konstantin Poensgen, der als Multiplikator das Projekt „In Zukunft mit UNS!“ tatkräftig unterstützt hat. Für beste musikalische Unterhaltung sorgten die Schülerinnen und Schüler der Big Band des Wagenburg-Gymnasiums und Geschwister-Scholl-Gymnasiums Stuttgart.

Jugendliche im Gespräch mit Akteuren der Jugendbeteiligung aus Politik und Zivilgesellschaft
Podiumsgespräch: Jugendliche im Gespräch mit Akteuren der Jugendbeteiligung aus Politik und Zivilgesellschaft / © Landesjugendring Baden-Württemberg, Nikolaj Midasch

Podiumsgespräch: „Jugendbeteiligung im Wandel“

Zu Beginn der Veranstaltung tauschten sich Jugendvertreterinnen und -vertreter mit etablierten Akteuren der Jugendbeteiligung zum Thema „Jugendbeteiligung im Wandel – Auswirkungen, Chancen, Praxiserfahrungen“ aus. Die Gesprächsteilnehmenden resümierten aus ihrer jeweiligen Perspektive die Veränderungen im Feld der Jugendbeteiligung in den letzten Jahren, gaben einen Einblick in ihren persönlichen Alltag, berichteten über einprägsame Erfahrungen und formulierten Empfehlungen für das Gelingen von Jugendbeteiligungsverfahren.

Folgende Themen wurden im Podiumsgespräch u.a. diskutiert:

Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, berichtete von seinen Erfahrungen mit dem Projekt „In Zukunft mit UNS!“. Hiernach sei es besonders wichtig, dass Jugendliche so früh wie möglich positive Beteiligungserfahrungen machen: „Wir müssen ihnen also noch mehr Gelegenheiten bieten, ihr Lebensumfeld direkt mitzugestalten. Hierfür sind starke Partner in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft unabdingbar.“

Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, zeigte sich beeindruckt von dem Mut und Engagement vieler Jugendlicher, die sich aktiv einbringen, mitgestalten und damit einen großen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten. Angesichts des demographischen Wandels ist es ihr ein besonderes Anliegen, die Beteiligung Jugendlicher vor allem in der Kommunalpolitik zu stärken und ihnen damit mehr Gehör zu verschaffen. 

Anne-Marie Berg vom Dachverband der Jugendgemeinderäte Baden-Württemberg betonte die große Bedeutung des neuen Paragraphen 41a der Gemeindeordnung für die Stärkung der Teilhabe von Jugendlichen in den Kommunen. Darüber hinaus forderte sie, dass Jugendliche auch auf Landesebene mehr Beteiligungsmöglichkeiten erhalten. Die Absenkung des Wahlalters bei Landtagswahlen auf 16 Jahre wäre ein erster denkbarer Schritt in diese Richtung.

Joachim Straub, Vorsitzender des Landesschülerbeirats Baden-Württemberg, berichtete von seinen positiven Beteiligungserfahrungen als Schülersprecher und Vorstand des Reutlinger Jugendgemeinderates, die ihm in seiner jetzigen Arbeit als Landesschülerbeirat zugute kommen. Er sprach sich für die Schaffung von zeitlichen Freiräumen für das Engagement Jugendlicher sowie für eine angemessene Anerkennung dieser ehrenamtlichen Aktivitäten aus.

Adalina Agejew, Multiplikatorin im Projekt „In Zukunft mit UNS!“, betonte die Bedeutung von jugendlichen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der Bildungsarbeit als Vermittler zwischen etablierten Kräften und Jugendlichen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass der Erfolg kommunaler Jugendbeteiligungsverfahren häufig von dem Engagement weniger Einzelpersonen abhängig ist. Daher sei es erforderlich, dass in der Verwaltung ein tiefes Bewusstsein für dieses Thema entwickelt wird und vielfältige Jugendbeteiligungsformate zum Einsatz kommen. Eine landesweite Koordinierung könnte diese kommunalen Aktivitäten rahmen und neue Impulse setzen. 

In Themenworkshops erarbeiteten die Teilnehmenden Visionen und Ziele einer gelingenden Jugendbeteiligung.
In Themenworkshops erarbeiteten die Teilnehmenden Visionen und Ziele einer gelingenden Jugendbeteiligung. / © Baden-Württemberg Stiftung, Peter D. Hartung

Die Ergebnisse der Workshops im Überblick

• Die Arbeitsgruppe „Wahl ab 16“…

… sprach sich für eine milieusensible Jugendarbeit aus. Nur hierdurch könne erreicht werden, dass Jugendliche unabhängig von ihrer sozialen Herkunft in den öffentlichen Meinungsbildungsprozess einbezogen werden. Zudem wurde hier die Forderung laut, auch bei Landtagswahlen das Wahlalter auf 16 Jahre abzusenken.

• Die Arbeitsgruppe „Jugendbeteiligung in der Kommune“…

… forderte eine landesweite Koordinierungsstelle zur Umsetzung des neuen Jugendbeteiligungsparagraphen 41a der Gemeindeordnung. Diese könne Beratungs- und Unterstützungsleistungen bei der Umsetzung der neuen Regelung anbieten sowie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen ausbilden. Weiterhin befürwortete die Arbeitsgruppe die verbindliche Einrichtung von Jugendbeauftragten auf kommunaler Ebene, um Jugendbeteiligung als Querschnittsthema fest in die Verwaltungsabläufe zu integrieren.

• Die Arbeitsgruppe „Beteiligung in der Jugendgruppe“…

… hielt es für unerlässlich, Jugendgruppen als Erfahrungsraum für Selbstbestimmung weiter zu stärken. Hierzu sei es notwendig, geeignete Methoden, positive Erfahrungen und Best Practice-Beispiele für die selbstorganisierte Jugendarbeit zu bündeln und den Wissenstransfer unter den beteiligten Akteuren sicherzustellen. Auch hierbei könne eine landesweite Koordinierungsstelle mittels geeigneter Schulungs- und Qualifizierungsangebote unterstützend tätig werden.

• Die Arbeitsgruppe „Jugendbeteiligung in der Schule“…

… befürwortete eine vielfältige Beteiligungskultur in der Schule und sprach sich dafür aus, dem Thema Beteiligung bereits im Lehramtsstudium mehr Raum zu geben sowie Weiterbildungen für Lehrkräfte anzubieten. Zudem wurde der Wunsch geäußert, dass in der Schule eine Lehrkraft als feste Ansprechperson für den Bereich Partizipation im Schulalltag zuständig ist.

• Die Arbeitsgruppe „Vernetzung“…

… betonte insbesondere die Notwendigkeit eines umfassenden Wissenstransfers. Gute Ideen und Umsetzungsbeispiele zum Thema „Beteiligung“ mit unterschiedlichen Zielgruppen gebe es an vielen Stellen im Land. Oft seien diese beispielhaften Beteiligungsstrukturen jedoch vom Engagement einzelner Personen abhängig. Die Gruppe bekräftigte deshalb die Einrichtung einer landesweiten Koordinierungsstelle und schlug vor, eine „Multiplikatoren-Akademie“ sowie eine zentrale Datenbank auf Landesebene einzurichten.

Abschlussgespräch: Diskussion der Workshop-Ergebnisse mit Akteuren der Jugendbeteiligung
Abschlussgespräch: Diskussion der Workshop-Ergebnisse mit Akteuren der Jugendbeteiligung / © Baden-Württemberg Stiftung, Peter D. Hartung

Abschlussdiskussion: „So wird was draus!“

Die Visionen, Forderungen und Ideen der Arbeitsgruppen wurden in einer Abschlussdiskussion mit folgenden Akteuren der Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg aus Politik, Zivilgesellschaft und Verwaltung diskutiert:

• Marian Schreier, Bürgermeister der Stadt Tengen

• Veronika Kienzle, Staatsministerium Baden-Württemberg

• Dr. Miriam Freudenberger, Allianz für Beteiligung

• Dr. Ferdinand Mirbach, Robert Bosch Stiftung

• Karl-Ulrich Templ, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

• Jürgen Dorn, Landesjugendring Baden-Württemberg

• Jörg Titze, Evangelische Jugend Stuttgart und Kreisjugendring Stuttgart

Die Diskussionsergebnisse und Projekterfahrungen können auf 5 Empfehlungen für eine gelingende Jugendbeteiligung in Schulen, Verbänden, Kommunen, Kirchen und in der Politik zugespitzt werden:

1. Jugendbeteiligung ist mehr als Wählen. Jugendliche können an vielen Orten ihres Lebensumfeldes (Schule, Kommune, persönliches Umfeld) positive Beteiligungserfahrungen machen. Deshalb ist Jugendbeteiligung eine gesellschaftliche Zukunftsaufgabe, die über Institutionen hinweg gedacht und im Alltag verankert werden muss.

2. Jugendliche sollten schon früh in ihrem persönlichen Lebensumfeld positive Partizipationserfahrungen machen und mit der Übernahme von Verantwortung experimentieren können. Der nicht-schulische und nicht-formalpolitische Rahmen von Vereinen und Verbänden ist hierfür bestens geeignet.

3. Jede Kommune sollte ihren eigenen, passgenauen Ansatz für Jugendbeteiligung finden. Über stabile Landesprogramme und eine landesweite Koordinierungsstelle für Jugendbeteiligung können Ideen, Informationen und Strategien in die Kommunen transferiert werden.

4. Um Jugendbeteiligung zu stärken, ist es notwendig, dass die einzelnen Akteure wie Schulen, Jugendverbände, Jugendringe, Kommunen und die Jugendsozialarbeit eng zusammenarbeiten und ihre Kräfte bündeln. Stabile Netzwerke, gut qualifizierte und engagierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie eine Kultur des Gehörtwerdens sind zentrale Voraussetzungen für das Gelingen von Beteiligungsverfahren.

5. Zukünftige Initiativen zur Jugendbeteiligung müssen sowohl bereits motivierte Jugendliche erreichen, als auch stille Gruppen berücksichtigen. Hierzu ist es notwendig, die Akteure und Erfahrungen der Jugendsozialarbeit und der mobilen Jugendarbeit (z.B. Streetworker) verstärkt einzubeziehen. 

Abschließendes Gruppenfoto. Bilanz und Blick in die Zukunft: Das Projekt „in Zukunft mit UNS!“ geht nach drei Jahren zu Ende. Diese Akteure gestalten die Zukunft der Jugendbeteiligung weiterhin mit.
Bilanz und Blick in die Zukunft: Das Projekt „in Zukunft mit UNS!“ geht nach drei Jahren zu Ende. Diese Akteure gestalten die Zukunft der Jugendbeteiligung weiterhin mit. / © Baden-Württemberg Stiftung, Peter D. Hartung

Weitere Impressionen zur Bilanzveranstaltung „Auch in Zukunft mit UNS!" finden Sie hier.

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